FasciaPura

Thomas Ambrose Bowen

Leben und Wirken des Mannes, der der Bowen-Technik ihren Namen gab.

Die Bowen-Technik trägt den Namen eines Mannes, der nie Medizin studiert hat. Thomas Bowen war Handwerker, Fabrikarbeiter und Familienvater in einer australischen Kleinstadt in der Nähe von Melbourne und wurde nebenbei zu einem der meistbeschäftigten Therapeuten seines Landes.

Ein Mann ohne medizinische Ausbildung

Thomas Ambrose Bowen wurde am 18. April 1916 in Brunswick bei Melbourne geboren, als Sohn britischer Einwanderer aus Wolverhampton. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und verließ die Schule mit 14 Jahren. Eine Ausbildung in Medizin oder Physiotherapie hatte er zeitlebens nicht.

Vom Milchwagen auf die Baustelle

Bevor er zum Therapeuten wurde, verdiente Bowen seinen Lebensunterhalt mit den Händen: als Milchausträger, als Arbeiter in einer Wollspinnerei, später im Baugewerbe wie schon sein Vater. Zuletzt arbeitete er als Hilfsarbeiter im Zementwerk von Geelong – diesen Job behielt er noch, als er abends begann, Menschen zu behandeln.

Die ersten Behandlungen in Geelong

Um 1957 bot Bowen nach Feierabend im Haus befreundeter Nachbarn erste Behandlungen an. Er hatte beobachtet, dass bestimmte, sehr gezielte Bewegungen am Körper spürbare Reaktionen auslösten, und entwickelte daraus Schritt für Schritt seine eigene Methode. Der Zulauf wuchs rasch, bald eröffnete er eine eigene Praxis in der Latrobe Terrace.

Familie und Ehrenamt

Bowen heiratete seine Frau Jessie in den frühen Kriegsjahren und lebte mit ihr zunächst bei seinen Eltern in Geelong. Nebenbei engagierte er sich bei der Heilsarmee und leitete dort einen Jungenclub, in dem er selbst als Schwimmtrainer aktiv war. Dieser Sinn für praktische Nachbarschaftshilfe prägte später auch seine Arbeit als Therapeut.

Ein Praxisalltag mit hundert Patienten

Aus dem Feierabend-Nebenjob wurde eine der belebtesten manuellen Praxen Australiens. Bowen behandelte täglich 65 bis über 100 Menschen, insgesamt rund 13.000 Behandlungen im Jahr – meist nur wenige Minuten pro Patient, mit den charakteristischen Pausen, in denen der Körper selbst weiterarbeiten sollte.

Wen er behandelte

Seine Patienten kamen aus allen Schichten: Kinder mit Behinderung, Asthmapatienten, verletzte Sportler, aber auch Opernsänger, Fernsehpersönlichkeiten und sogar ein Rennpferd. Samstagvormittags bot er eine kostenlose Sprechstunde für Kinder mit Behinderung an – unter anderem für junge Patienten mit Polio, Zerebralparese oder Spina bifida.

Engagement über die Praxis hinaus

Regelmäßig behandelte Bowen unentgeltlich: Menschen mit Behinderung, ältere Patienten, Sozialarbeiter und Polizisten. Sonntags besuchte er das Gefängnis von Geelong. Für seine Unterstützung der Polizei erhielt er eine Ehrung des Geelong Crime Car Squad – erst der zweite Zivilist, dem diese Auszeichnung je zuteilwurde.

Anerkennung durch den Staat Victoria

1974 untersuchte eine Studie der Regierung des Bundesstaats Victoria alternative Heilmethoden. Für Bowens Praxis wurde festgehalten, dass sich die Beschwerden der Patienten in mehr als 85 Prozent der Fälle besserten – bei einem Praxisumfang, den zu dieser Zeit kaum jemand erreichte.

Sechs Schüler und der Weg um die Welt

Bowen hielt seine Methode nie schriftlich fest. Erst gegen Ende seines Lebens ließ er sechs Schüler – von ihm selbst „Tom’s Boys" genannt – bei der Arbeit zusehen. Einer von ihnen, Oswald Rentsch, begann 1986 mit einer systematischen Ausbildung und trug die Methode in mehr als 40 Länder. Bowen starb im Oktober 1982 im Alter von 66 Jahren – sein Werk lebt bis heute in der Bowen-Technik weiter.

Termin vereinbaren